Über das Dirigieren, Chöre, Chorproben . . .
Der schwedische Dirigent Dan-Oluf Stenlund in einem (englischen) Interview über den Chordirigenten:
"Die meisten haben Schwierigkeiten mit dem Vorbereitungsschlag, der gleichzeitig das Tempo, den Charakter und die Dynamik anzeigen muß. Sie müssen auch viel über Körpersprache lernen, wie man die Hände hebt, wie man eine breite Phrase anzeigt, wie man den Klang öffnet usw. Die vier H´s sind alles, was man beim Dirigieren braucht: head (Kopf), Herz, Hand links, Hand rechts; es bedeutet zu verstehen, zu fühlen und ausdrücken können, was die Komponisten uns verstehen, fühlen und ausdrücken lassen wollen."
Kurt Thomas (Lehrbuch der Chorleitung Bd. I):
" Nicht mit dem Taktschlagen ist es getan, sondern mit der restlosen Beherrschung des Taktschlagens beginnt überhaupt erst das Dirigieren, die Kunst, allen Ausdruck, jede sprachliche Nuance und manches andere die Bewegung legen
% der Dirigententätigkeit besteht aus Organisation, die restlichen zehn Prozent aber müssen hundertprozentig sein. Der Chor ist ein Lebewesen mit einer lebendigen Seele . .Es gibt keine schlechten Chöre, - es gibt nur schlechte Chorleiter!
Behrmann (Chorleitung Bd. I, Probentechnik Stuttgart 1984):
"Mit dem Anspruch an die Chormusik wächst der Anspruch an die Chorleiter. Mit den neuen Erwartungen wachsen die Ansprüche des Chorleiters an seine Ausbildung. Die Chorprobe ist kein Testvorgang, wie das Wort „Probe“ irrigerweise nahelegt. Ebensowenig ist sie ein Trainingsvorgang, der durch repetierendes Üben zur Leistungssteigerung führt . . .Ein Versuch, ob es schon geht und dessen Wiederholung haben nichts mit sachgemäßem Proben zu tun. Die Chorprobe ist ein Lernvorgang . . . die Arbeit verläuft nicht kontinuierlich, sondern in Phasen mit wechselnder Methodik und wechselndem Ziel. Das methodische Hauptproblem der Chorprobe ist die Verbindung von Werkstudium und musikalischer Ausbildung des Chores . . . die nur innerhalb des Werkstudiums möglich (ist). Für bloße Schulung bringt der durchschnittliche Chorsänger weder Zeit noch Interesse auf."
Hermann Dechant (aus Dirigieren, Wien 1985):
Läßt ein Dirigent auf den Proben erkennen, daß es ihm darum zu tun ist, die verfügbare Zeit so sinnvoll wie nur möglich zu nutzen, so kann er sich des Wohlwollens und der aufmerksamen Mitarbeit der Mitwirkenden gewiß sein; eine vorausschauende Probenplanung, ein geschickt gestalteter Probenverlauf und eine kenntnisreiche Probentechnik sind die besten Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit.
Wolfgang Schäfer ( aus Der ideale Chordirigent - eine Utopie? Frankfurt 1996):
" . . .das Kunsthandwerk des Dirigenten: es besteht aus einer Palette von spezifischen Begabungen und Fähigkeiten: Manuell-technisch, mental-intellektuell, im seelisch-emotionalen und nicht zuletzt auch im psychologisch-pädagogischen Bereich.
Kurt Masur(Gewandhauskapellmeister in Leipzig, Bürgerrechtler, zeitweise Chef der New-Yorker Philharmoniker, dirigiert ohne Taktstock):
Oft ist es besser, gar nicht zu dirigieren, dann stört man wenigstens nicht.
Dirigieren ist Umsetzen von musikalischen Ereignissen in sichtbare Bewegungen ( ?)
Robert Schumann (aus den Musikalischen Haus- und Lebensregeln):
Es ist des Lernens kein Ende!